Die Exkursion nach Ungarn Ende August war für die 28 Teilnehmer ein sehr schönes Erlebnis. Neben einem Einblick in die Farmwildhaltung im Gehege der Universität Kaposvar konnte auch ein Einblick in Jagdwild auf der Universität Gödöllö vermittelt werden.
Ungarnexkursion
Daneben gab es mit Esztergom, Budapest, Schloss Gödöllö, dem Gestüt Lazar und der Stadt Sekesfehervar ein schönes touristisches Programm.

Am 25. August machten sich 30 Personen aus der Steiermark und dem Burgenland auf, um Ungarn und die Farmwildhaltung in Ungarn kennen zu lernen. Die Fahrt führte über das Donauknie im Norden Ungarns nach Esztergom – wo im Jahr 1.000 n.Chr. der erste König von Ungarn gekrönt wurde. König Stephan I gilt als Gründer Ungarns und wird im ganzen Land verehrt.
Weiter ging es nach Budapest – in die Hauptstadt des Landes. Die Stadt mit über einer Million Einwohnern präsentierte sich wunderschön; tolle Bauten aus der Habsburgerzeit, viele Menschen und vor allem sauber. Edit begleitete und führte uns auch in Budapest und wir besuchten die Kathedrale von Budapest in der Nähe des Parlaments. Hier ist der Stephans-Kult lebendig und in der Kathedrale ist auch eine Reliquie des Hl. Stephan zu sehen.
Am nächsten Tag ging es nach Gödöllö mit zwei Programmpunkten. Gödöllö liegt ca. 30 km nordöstlich von Budapest. Zuerst wurde das „Sisi-Schloss“ Gödöllö besichtigt und danach die Agrar-Universität Gödöllö. Das Schloss wurde wunderbar saniert und hergerichtet. Es gehörte ursprünglich einem ungarischen Adeligen, der es verkaufen musste und 1867 schenkte das Land Ungarn dieses Schloss dem Kaiserpaar Franz Josef und Elisabeth – Franz Josef war auch König von Ungarn und Elisabeth war die Königin. Elisabeth war fasziniert vom Schloss und verbrachten an die 2.000 Nächte hier. Für sie war es Rückzugsort und Ort der Entspannung. Es wurde für die Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn eine eigene Bahnverbindung von Budapest nach Gödöllö eingerichtet, damit sie bequem anreisen konnte.

Anschließend besuchten wir das Institut für Wildtierbiologie der Agraruniversität in Gödöllö. Prof. Dr. Holtai informierte uns über Wild – allerdings Jagdwild und nicht Farmwild. Die Problematik in Ungarn: Jagdwild wird mit Preise von 1 bis 2 € pro kg vom Wildhandel übernommen – und Ungarn ist sehr wildreich. Die höheren Preise für im Gehege gehaltenes Wild sind am Markt nicht umsetzbar. Holtai fasste es so zusammen: „Warum sollte jemand Wild aus dem Gehege um 3 bis 4 € kaufen, wenn er Rotwild von der Jagd um 1,5 € bekommen kann?“.
Danach ging es zum Pferdegestüt und Reiterhof der Brüder LAZAR, die mehrmalige Weltmeister im Gespannfahren sind. Sie haben hier ein Pferdezentrum eingerichtet und eine hervorragende Gastronomie angeschlossen. Wir umfuhren danach Budapest auf der Außenautobahn – streiften die Ungarische Tiefebene und kamen schließlich in den Bereich Sekesfehervar – Stuhlweißenburg. Auch das ein historischer Ort, weil hier die Könige von Ungarn (nach der Anfangszeit von Esztergom) gekrönt wurden.
Am dritten Tag ging es in den Südwesten Ungarns – nach Kaposvar. Dazu fuhren wir entlang des Plattensees und dann nach Süden. Unser Ziel war das Gehege der Universität Kaposvar. Dr. Janos Nagy empfängt uns im Besucherzentrum der Anlage und zeigte uns in einem Vortrag die Entwicklung des Geheges von Kaposvar. Begonnen wurde, dass hier Rotwild aus freier Wildbahn eingezäunt wurde. Er führt uns durch das Museum mit vielen Trophäen und Beispielen der ungarischen Wildtiere. Hier wurde viel diskutiert und Dr. Nagy führte uns auch durch den kleinen Park um das Besucherzentrum. Hier finden sich Damwild, Rotwild, Davidshirsche und viele andere Tiere. Ein Mittagessen im Besucherzentrum stärkt uns und macht uns bereit für die Fahrt auf einem Anhänger in das Gehege.

Die Fläche beträgt 1.300 Hektar und 1985 wurde begonnen, die Wildhaltung nach dem Muster von Neuseeland aufzubauen. Die Fläche für das Rotwild beläuft sich auf 250 Hektar, daneben gibt es 800 Hektar Ackerland und weitere 250 Hektar Weideflächen. Es werden Jagden auf Rotwild, Damwild, Milu, Muffel- und Schwarzwild angeboten (auf einer Fläche von 400 und 600 Hektar). Das Fleisch wird im Betrieb verarbeitet und an Gastronomiebetriebe geliefert. Zusätzlich werden Zuchttiere mit sehr guten Preisen (über 1.500 €) verkauft. Zur besseren Nutzung der Weideflächen werden auch Pferde, Rinder, Esel und Wasserbüffel gehalten – sie weiden nach den Rothirschen in den Weideflächen, die zwischen 4 und 20 Hektar groß sind.

Rotwild: Insgesamt über 1.300 Stück, Tiere erreichen bis zu 220 kg; Hirsche bis zu 400 kg Lebendgewicht; davon werden 250 bis 300 Stück im Jagdbetrieb geschossen. Es sind etwa 350 Hirsche auf 200 Hektar Gehegefläche. Die Fläche ist in 28 kleinere Gehege unterteilt (von 4 bis 20 Hektar). In den Zuchtgruppen sind etwa 45 Tiere mit einem Hirsch zusammen. In anderen Gruppen sind nur Hirsche, denen im Sommer das Geweih abgesägt wird (in Fangreinrichtungen, ohne Narkose). Haltung ist einfacher und Abwurfstangen werden nicht gestohlen. Bei großer Trockenheit wird gefüttert (mit einem Futtermischwagen - Grassilage, Rübenschnitzel, Melasse, Getreide, Mais). 3-4 Mal im Jahr geht das Rotwild über die zentrale Sortieranlage.
Jagdgehege: Auf 400 Hektar und im 2. Revier auf 600 Hektar wird gejagt. Im Jagdgehege wurden etwa 200 Hektar Wildäcker angelegt. Hirsche sollen hier bestes Futter haben. Hirsche kommen erst mit 9 Jahren in das Jagdgehege. Insgesamt werden etwa 300 Stück Rotwild und 300 Stück Damwild sowie Rehe, Muffelwild und Schwarzwild gejagt.

Dr. Janos Nagy, Leiter der Aussenstelle der Universität Kaposvar
Damwild wird dort gehalten, wo nicht so gutes Futter ist. Insgesamt umfasst die Damwildherde 300 Stück. Im Gelände findet sich auch eine Muffelherde mit 120 Stück; sie wurden vom Goldschakal massiv reduziert. Schwarzwild: verursacht überall massive Probleme; Jagdstrecke ist im Bezirk von 1.000 Stück (1980) auf 13.000 Stück gestiegen. Massive Schäden in der Landwirtschaft. Ungarisches Kaltblutpferd (106 Tiere): wird als Genpool gehalten. Ca. 20 Hengste sind im Deckeinsatz; fressen Pflanzen, die Rotwild nicht frisst. Etwa 20 Pferde werden pro Jahr zu Preisen von 1.000 bis 3.000 EURO verkauft. Wasserbüffel: 118 Stück; erweisen sich gut auf den Weiden, kommen nach dem Rotwild auf die Fläche, danach Esel und Rinder. Ungarisches Graurind (Steppenrind): Diese Rasse gehört zu den gefährdeten Rinderrassen in Ungarn und sie sind wichtige Weidetiere auf den Flächen. Zusätzlich sind 169 Esel im Gehege. Enten: Es werden etwa 5.000 Enten im Alter von 6 Wochen angekauft und im See gehalten. Sie werden hier gefüttert und halten sich nur im und um den See auf. Die Enten werden dann bei großen Jagden geschossen.
Nach den großartigen Besichtigungen ging es um 16.00 Uhr los und wir fuhren ohne Zwischenstopp mit schönen Eindrücken von Ungarn nach Hause.