23.9.2018 – Kölner Stadt-Anzeiger:

Riesige Sperrzonen werden in Deutschland vorbereitet, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern.

Wildschweine besonders gefährdet: Der Abschuss aller Wildschweine im Umkreis von 15 km von der Ausbruchstelle wird in Belgien vorbereitet und wird auch im Fall des Auftretens in Deutschland wahrscheinlich.

Deutschland: Rhein-Erft-Kreis

Die Gefahr ist näher gekommen. Im Nachbarland Belgien sind weitere Wildschweine gefunden worden, die an der Afrikanischen Schweinepest verendet sind. Mittlerweile sind neun Fälle belegt. Bisher war die Seuche von Osten her näher gerückt, sie war in Polen und Tschechien aufgetreten. Auch wenn der Fundort in Belgien rund 200 Kilometer vom Rhein-Erft-Kreis entfernt liegt, wächst die Sorge, was bei einem Ausbruch der Krankheit hier passieren würde. Wir beantworten Fragen rund um das Thema.

Was passiert in Belgien nach dem Ausbruch der Schweinepest?

Die Behörden haben ein 63.000 Hektar großes Sperrgebiet eingerichtet. Dort herrscht zunächst absolutes Fahrverbot – auch die Landwirte dort dürfen das Gelände nicht mit ihren Fahrzeugen verlassen. Möglicherweise wird die Fläche eingezäunt.

Warum drohen Sperrgebiete?

Dieses Vorgehen habe sich in Tschechien bewährt. Eine Fläche mit einem Radius von 15 Kilometern rund um den Fundort des befallenen Schweines werde im Ernstfall erst einmal zum Beobachtungsgebiet erklärt. Notfalls müsse es tatsächlich eingezäunt werden.

Werden die Sperrgebiete auch Wanderer und Läufer treffen?

„Wenn die Schweinepest ausbricht, gelten die Regeln des Seuchenschutzes“, sagt die Kreisveterinärin, und die hätten Vorrang. In dem Fall sei auch der Kreis nur noch nachgeordnete Behörde, die Entscheidungsbefugnis liege dann beim Umweltministerium.

Was passiert mit den Wildschweinen, die  im Sperrgebiet leben?

Denen geht es an den Kragen. Sie sollen alle erlegt werden. Und ihr Fleisch darf nicht verwertet werden, ganz gleich, ob sie nun vom Virus befallen sind oder nicht. Das gleiche Schicksal droht übrigens den Hausschweinen, wenn in einem Bestand die Seuche ausbricht. „Wir müssen unseren Fleischexport schützen“, erklärt Roos-von Danwitz. Die Botschaft an die Abnehmerländer wie Südkorea und China müsse sein: Schaut her, wir tun was, wir haben die Lage im Griff. Da gehe es ganz klar um wirtschaftliche Interessen, bestätigt die Tierärztin. Einige Länder haben den Fleischimport aus Belgien bereits gestoppt.

Was würde passieren, wenn man nichts gegen die Seuche unternähme?

Sie würde vermutlich viele Wildschweine töten, vermutet Dr. Franz-Günter Zeiger, stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Allerdings gebe es Fachleute, die sagten, die Krankheit sei so aggressiv, dass die Schweine verendeten, bevor sie allzu viele andere anstecken könnten.

Wie wird die Krankheit übertragen? Und ist sie auch für Menschen gefährlich?

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest überhaupt keine Gefahr. Aber der Mensch gilt als Hauptüberträger. Das Virus ist sehr hartnäckig. Es überlebt an Kleidung, Schuhen oder Autoreifen und wird so über weite Strecken mitgenommen. Ein Wurstzipfel, am Autobahnrastplatz weggeworfen, kann die Seuche ausbrechen lassen. Deshalb weisen mittlerweile an vielen Rastplätzen Schilder auf diese Gefahr hin. Ein Brennpunkt in dieser Hinsicht ist nach Ansicht von Uwe Schölmerich, Leiter des Forstamtes Rhein-Sieg-Erft, der Rastplatz an der A 553 bei Bliesheim. Dort gebe es zwar einen Wildzaun, doch der werde immer wieder zerstört. Und das mitten in einem Wald mit gutem Schwarzwildbestand.

Was wird getan, damit die Seuche erst gar nicht ausbricht?

Die Jäger in Nordrhein-Westfalen hätten im vergangenen Jahr doppelt so viele Wildschweine geschossen wie im Jahr zuvor, sagt Zeiger. Die Kreisveterinärin sieht vor allem die Schweinehalter in der Pflicht, mit strengster Hygiene dafür zu sorgen, dass das Virus nicht in den Bestand getragen werde. Das gelte auch für Leute, die Mini-Pigs als Haustiere hielten.

Wann ist die Gefahr durch die Seuche wieder vorbei?

Da ist Roos-von Danwitz wenig optimistisch. „Das wird Jahre dauern.“ Ein Impfstoff, wie er bei der Europäischen Schweinepest vor einigen Jahren erfolgreich eingesetzt worden sei, sei auch nicht in Sicht

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