Farmwildhalter aus der Steiermark und dem Burgenland waren drei Tage in Slowenien unterwegs, wo die Besichtigung von Wildgehegen und die Vermarktung von Wildfleisch im Vordergrund standen.

Start ist am Betrieb Jelenov-Greben

Um auch das Land etwas näher kennen zu lernen, waren in der Tour einige Besichtigungen wie die Stadt Maribor, das Minoritenkloster in Olimje mit der Schokoladenboutique Syncerus und der Brauerei Haler, das Schloss Miramare in Triest wie auch das weltbekannte Lipizzanergestüt in Lipica im Programm. Der Abschluss war der Besuch der Messe „AGRA“ in Gornja Radgona, wo sich mehr als 1.800 Aussteller aus 30 Ländern präsentierten.

Die Wildtierhaltung in Slowenien hat eine etwas untergeordnete Rolle, in der tierischen Produktion haben die Rinder-, Schaf- und Geflügelhaltung die große Bedeutung. Zwei größere Wildtierhalter, die auch über die Universität betreut werden, standen auf unserem Programm und wir alle waren von beiden Betrieben mit ihrer Philosophie, dem Weitblick nach vorne und den exakt geplanten Umsetzungsschritten, begeistert.

Damwildgehege „Jelenov Greben“

www.jelenov-greben.si

Im wunderschönen Ort Olimje, ca 60 km südlich von Maribor, auf einer leichten Anhöhe, liegt der Betrieb von Jelenov Greben, den er vor 30 Jahren angefangen hat, die Anlage aufzubauen. Für zwei Hotels (eines mit 350 Sitzplätzen und eines mit 210 Sitzplätzen), einen Verkaufsladen und ein Wildgehege mit Direktvermarktung hat er 42 Arbeiter und Angestellte über das ganze Jahr beschäftigt.

Im 8 ha großen Gehege sind insgesamt 210 Tiere, großteils Damwild, ein paar Mufflons und Axishirsche. Nach vier Kälbern werden die Tiere prinzipiell ausgetauscht.

Für 90 Tiere setzt Herr Greben 3 Hirsche ein. Alle jährlichen Abschusstiere des Betriebes und weitere 300 Tiere, die während des Jahres aus der Region zugekauft werden, werden direkt vermarktet und über den Verkaufsladen und die Gastronomie vor Ort abgesetzt. Im Verkaufsladen werden 84 Produkte angeboten (Töpfereien, Schnäpse, Säfte, Wein, Biere, Geschenkartikel, Kreativitäten, Wildprodukte,…), die ausschließlich von ihm oder aus der Region stammen und die er auch zum Teil selbst veredelt. Die Saison dauert elf Monate, die jährlichen Besucher beziffert er mit 150.000, die aus den verschiedensten europäischen Ländern kommen.

Auf die Frage, wie sich der Betrieb zukünftig weiterentwickeln wird, sagt Jelenov Greben: „Ich verdiene jährlich ein sehr gutes Geld und da die Gewinnsteuer in Slowenien im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich hoch ist, muss ich immer weiter investieren, es gibt kein Zurück mehr. In zwei Wochen baue ich ein neues Glasgebäude, wo alle meine Verkaufsprodukte auf höchstem Standard verarbeitet werden und unsere Gäste die Möglichkeit bekommen, all die Produktionsprozesse mitzuerleben. Die geplanten 6,5 Mio. € sind sicher gut angelegt“, meint Jelenov Greben abschließend.

Dieser Betrieb hat uns eine Entwicklungsstrategie übermittelt, die nachhaltig sicher zielführend sein wird. Am Beginn stehen kleine, gut überlegte Schritte, die Kapital bringen, und die Basis für die nächsten Entwicklungsschritte darstellen. Im Vordergrund steht immer die Verbesserung und Intensivierung des Gesamtkonzeptes des Betriebes.

Besichtigung der Schinkenmanufaktur – Prosciutto Scuka – in Kobjeglava

Kobjeglava liegt bei Stanjel in der Karstregion in Slowenien. Neben den typischen Weinsorten ist besonders der regionale Schinken-Prosciutto weltweit bekannt und unterscheidet sich vom Prosciutto aus Italien und Spanien ganz wesentlich durch die Verarbeitung. Schon seit Jahrhunderten werden Anfang Dezember in der Karstregion die besten Schweineschinken prämiert, ausgewählt und mit grobem Meersalz aus den Salinen von Piran drei Monate lang in Salz gelegt. Im Frühjahr werden die eingesalzenen Schinken weit über dem Boden aufgehängt, wo der typische trockene, kalte Karstwind langsam das Salz-Fleisch trocknet. Durch eine Nachreifung bis zu 18 Monaten erfährt der Schinken das charakteristische Aroma und den ganz typischen Geschmack mit der typischen rosig-roten Farbe und der festen Konsistenz.

Die Prosciutto Scuka – Manufaktur ist ein Familienbetrieb seit dem Jahre 2010, der ganz auf die Qualität ausgerichtet ist. 2.000 Schinken trocknen im Unternehmen, ausschließlich Schweineschinken und Wildschinken, der in ähnlicher Art und Weise verarbeitet wird und die Lufttrocknung durchläuft. Vermarktet wird alles direkt ab Hof und direkt in die Gastronomie, nicht in den Handel. Wir konnten uns von der hohen Qualität bei einer Jause überzeugen und sind auch gelehrt worden, dass zum Karst-Prosciutto unbedingt ein kräftiger Rotwein dazugehört.

Wildgehege der Familie Arbajter

www.arbajter.com

Im nördlichen Teil von Slowenien, in 3214 Zrece, in der Nähe von Maribor besuchten wir einen höchst interessanten Bergbauernbetrieb. Alleine die Zufahrt zum Betrieb hat uns auf 970 Meter Seehöhe gebracht, mit schmalen und engen Kurven, aber mit einer wunderschönen Aussicht auf die tiefer liegende Landschaft.

1930 hat Konrad Arbajter, ein gelernter Forstmaschinenhändler, das jetzige Anwesen von 60 ha geerbt. Mit seiner Frau und später mit seinen drei Kindern hat er als erstes Straßen zu diesem Anwesen gebaut, dann ein Wildgehege errichtet und zwei Häuser dazu gebaut. Sein Familienbetrieb, auf dem ein Sohn mit seiner Frau mitarbeitet, steht derzeit auf drei Säulen. 1. Forstwirtschaft, 2. Wildtierhaltung mit Direktvermarktung und 3. der Tourismus.

Im Wildgehege befinden sich derzeit 80 Stück Damwild, 20 Stück Rotwild, einige Mufflons und in einem Zusatzgehege eine Schafherde. Die Abschusstiere werden ausschließlich auf dem Betrieb verarbeitet und in veredelter Form dem Kunden direkt auf dem Betrieb zum Kauf angeboten. Auch auf diesem Betrieb konnten wir uns bei einer Jause mit dem dazugehörigen Wein aus der Region von den ausgezeichneten Produkten überzeugen. Die Hauptprodukte sind verschiedene Pasteten, Schweineschmalz, Mufflonsalami, Hirschschinken und Hirschhauswürstel.

Auf die Frage der zukünftigen Betriebsausrichtung meinte Herr Arbajter: „Die Wald- und Forstwirtschaft ist das wichtigste Standbein, die Wildtierhaltung passt genau in mein Anwesen. Meine persönliche Präferenz zur Direktvermarktung der eigenen Produkte und die Übernachtungsmöglichkeiten für unsere Gäste passen in mein Gesamtkonzept. Wie es ausschaut, ist die nächste Generation auch mit dieser Entwicklung und Vision einverstanden, dann glaube ich, werden wir zukünftig den Betrieb einfach wachsen lassen“.

(Autor: Ing. Johannes Gstöhl)

Nach oben